Im Balkan war vor 20 Jahren Krieg. Das musste ich mir erst richtig bewusst werden lassen. Abends im Hostel las ich mir den Wikipedia Artikel zum Jugoslawien Krieg durch, weil wir damals in der Schule entweder gar nichts darüber gelernt haben, oder nur ganz kurz. Ich konnte mich jedenfalls an kaum etwas erinnern. Die Folgen sind heute noch spürbar. Viele Leute wollen nicht über die Vergangenheit reden. Leute die zehn Jahre älter sind als wir, haben im Krieg gelebt. Für mich ist das unvorstellbar. Krieg ist immer das was man sich nicht vorstellen kann, was man nur aus Geschichten von den Großeltern kennt, oder eben aus anderen Teilen der Welt, aber nicht aus Europa so direkt neben uns. In den ex-jugoslawischen Ländern herrscht, wahrscheinlich auch wegen dem Krieg, oft ein krasser Nationalismus. Bosnien ist bis heute teilweise vermint. Da gibt es dann so freundliche Sachen wie Minen aus Plastik, sodass man sie mit einem Metalldetektor nicht aufspüren kann, oder auch Minen die wie Kinderspielzeug aussehen. Nice!
Sarajevo ist zur Hälfte muslimisch und zur Hälfte christlich. Ich war davor noch nie in einer Stadt in der es mehr als drei Moscheen gab. Hier gibt es alle paar hundert Meter eine und vor allem tönt 5x am Tag das von den Minaretten https://www.youtube.com/watch?v=gDN3ZTYSVF0.
Interessante Erfahrung!
Da wo bei uns der Bertoldsbrunnen und die Kajo ist, gibt es in Sarajevo viele kleine Häuschen die entweder Souvenirs verkaufen, oder Shishacafes sind, oder Cevapcicis verkaufen. Die ganze Innenstadt riecht nach Shisha und Fleisch. Also ihr RaucherInnen und Fleischliebhaber: Auf nach Bosnien!
Außerdem wusste ungefähr jeder in der Stadt Bescheid über die Freundschaft von Ultras Dynamo zur Horde Zla Sarajevo. Also wie schon in Kroatien, nimmt Fußball und besonders Fanszenenzeug einen ganz anderen Stellenwert ein als in Deutschland.
Ich hatte keinen Bock mehr auf Stadt und wollte in die Berge. (Bosnien besteht wie auch Kroatien zum großen Teil aus Bergen. Hätte ich nie erwartet).
Im Hostel sagte man mir, dass ich einen Guide bräuchte, oder in den Park gehen sollte. Darauf hatte ich aber gar keine Lust und bin deshalb einfach losgestapft, weil die Berge praktisch schon in der Innenstadt anfangen. Im Nachhinein habe ich dann das mit den Minen erfahren und das gerade um Sarajevo und Mostar die Meisten liegen, aber ich glaube die Hostelleute hatten einfach ein anderes Verständnis von In-die-Natur gehen als ich. Die Hostelfrau in Mostar zum Beipiel war noch nie auf dem Berg neben ihrer Stadt, obwohl der voll die Touristenattraktion ist und sie in der Stadt aufgewachsen ist. Aber da hätte man ja ein Stück laufen müssen..

Als ich den Berg hochgelaufen bin sind mir zwei Dinge aufgefallen. Erstens das um jede menschliche Ansiedlung mindestens 10 Meter Müll herumliegen. Das ist echt unfassbar und ein großes Glück das das in Deutschland nicht so ist.
Zweitens die Roma Hütten. Das waren Hüttchen zum Teil kleiner als Gartenhäuser in Deutschland, zusammengebaut aus Sperrmüll und Plastikplanen und dort wohnen Leute das ganze Jahr über, in einem Klima das dem Deutschen ähnlich ist. Ziemlich mager… Scheiß Teufelskreislauf aus Ausgrenzung, keine Chance auf Arbeit, Klauen und Betteln und noch mehr Ausgrenzung!
Als ich irgendwann oben im Wald war, gab mir ein Bosnier, der mir unbedingt Essen zustecken wollte für meine Wanderung, den Tipp ich sollte noch weiter hochgehen. Ok also noch weiter hoch… und plötzlich taucht mitten im Wald die verfallene Bobanlage von der Olympiade vor 30 Jahren auf! Ganz surreal, so Erfahrungen kann man halt nur machen, wenn man einfach losläuft, ohne Plan.
Abends bin ich dann mit zwei Mädels aus dem Hostel in eine Bar gegangen, weil die eine den Typ kennengelernt hatte, der dort abends spielte. Da war es dann echt ein bisschen wie in Berlin. Die Bar war ungefähr so groß wie ein Wohnzimmer, drei Leute machten Musik und alle hängen so rum.
Den einheimischen Hartalk hab ich nicht probiert, im Gegensatz zu einer der zwei, die hier Fsj gemacht hatte. Anscheinend 40% plus X und er wird nicht als Shot serviert, sondern in einem großen Glas, eher so 50 ml.
Ich habe dann beschlossen erstmal nichts mehr zu trinken, weil ich mich schon wieder dabei erwischt hatte, wie ich abends eher ein Gewohnheitsbier trinke anstatt manchmal viele Bier.
Am nächsten Tag bin ich nach Mostar gefahren.

Mostar ist weltberühmt für seine Brücke, die den christlichen und den muslimischen Teil verbindet. Die wurde im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut und steht symbolisch für die friedliche Koexistenz. Leider wurde mir berichtet, dass sich die Gräben in Bosnien eher weiter vertiefen, anstatt sich zu glätten. Die Fsjlerin kannte ein Pärchen, bei dem der Typ Moslem war und sie Christin. Die Beiden werden von ihrer Beziehung nie zu Hause erzählen können, weil sonst klar ist, dass sie sich trennen müssen, bzw. das Ganze keine Zukunft hat.
In Mostar traf ich eine Südkoreanerin deren Namen ich nicht aussprechen konnte und Samuel aus Kolumbien, der in Deutschland studiert. Die zwei Tage mit denen waren echt der Hammer. Nur Bauernenglisch, aber trotzdem so viel gelacht. Wir sind auf eine Bauruine geklettert,( wie in Berlin die Abrisshäuser nor höher Hendrik)

, und am nächsten Tag nach Blagaj ein Ort an dem ein Fluss aus dem Fels kommt der ungefähr dreimal soviel Wasser wie die Dreisam hat.

Das war richtig nice. Gefühlt-Sommer, Sonne, Sonnenbrand!
Von Mostar aus bin ich relativ zügig weiter nach Dubrovnik und zurück nach Split, von wo ich die nach Ancona nahm. Aber das ist das nächste Kapitel.
Grüße an euch alle!
Erbitte Kontakt zum Verfasser dieses Blogs…
Hallo